Hilperts Reisen

Rundes Eck

Wo sich Österreich, Italien

und Slowenien begegnen

Kärnten, Faaker See

Friaul, Weingut Dri

Slowenien, See von Bled

Dreiländerentd(eck)en

Interaktive Karte

Ankommen

Eintrittstor zur Tour durchs Dreiländereck:
Der Faaker See, idyllischer Nachbar des ungleich größeren Wörther Sees. Er beeindruckt mit seinem türkisfarbenen Wasser, die Bergkette der Karawanken im Hintergrund versperrt die Sicht zu den Nachbarn Italien und Slowenien im Süden – und bildet einen perfekten Rahmen für das ruhige Gewässer. #harleywood verweist übrigens auf das große Motorradtreffen am Faaker See – da wird es dann mal ein bisschen lauter.

Aber normalerweise ist es ruhig hier. Und nach zwei Tagen im Karner Hof mit direktem Zugang zum See stellt sich Entspannung ein. Die Wolken hängen auf halbmast vor dem Mittagskogel, dominierender Gipfel im Karawankenmassiv. Egal, ein Sprung in den heißen Whirlpool draußen hinter den heute so unnötigen Schirmchen ist allemal drin. Oder es geht gleich in die Sauna am See.

Tropen in den Alpen...

Es ist ein europäisches Dreiländereck par excellence hier, und wir machen uns auf, es zu erkunden: Der slowenische Chauffeur fährt uns unbehelligt von Kärnten ins benachbarte Friaul. Heißt zu gut deutsch: Ein ehemaliger jugoslawischer Teilstaat, Österreich und Italien kommen da symbolträchtig zusammen. Auf unserer Reise passieren wir das kompakte Massiv der Karawanken elegant per Autobahn, auch den Wallfahrtsort Monte Lussari, der von allen drei Volksgruppen hier gleichermaßen geschätzt wird: Slawen, Germanen und Romanen. Das türkisblaue Flüsschen Fella windet sich Richtung Udine, der Schuh- und Lederstadt im Friaul, geht später in den Fiume Tagliamento über. Die Wolken hängen tief in den Tälern, es wirkt, als wären wir in tropischer Regenzeit.

 

Die Tafel ist gedeckt

Wir verlassen den Südkurs Richtung Mittelmeer und besuchen eines der nördlichsten Weinanbaugebiete im Friaul, noch in Sichtweite der Berge. Nahe des Städtchens Nimis ist die Tafel für uns gedeckt.
Was uns wohl erwartet?

Der Dozent Dri

Giovanni Dri stellt hier einen berühmten Süßwein her, den Ramandolo – und er doziert auch gern darüber. Der Wein überrascht beim ersten Beschnuppern: Das Produkt der hier beheimateten Verdutto-Traube riecht nahezu neutral und schmeckt zwar süß, aber absolut unaufdringlich.

Reife(n)

Der Ramandolo ist nach dem kleinen Gebiet seiner Herkunft benannt, gerade mal 50 Hektar Anbaufläche gibt es hier. Erst im Oktober wird gelesen, große Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht haben die Trauben im September erlebt. Zwei, drei Jahre liegt der Ramandolo dann im Keller – teils im Barrique-Fass –, damit sich aus Restsüße, anfangs großer Säure und hohem Tanningehalt der charakteristische Geschmack entwickelt. Der Verdutto ist weiß, „will aber eine rote Traube sein“, sagt Giovanni Dris Tochter Stefania. Nachbehandelt wird nicht, „die Qualität entsteht im Berg“.

 

geschmack voll

Zum guten Wein das gute Öl, gepresst aus Oliven, die gleich in der Nachbarschaft reifen –

Zum guten Wein das gute Öl, gepresst aus Oliven, die gleich in der Nachbarschaft reifen –

genuss voll

– und der selbst gebrannte Grappa fehlt auch nicht. Giovanni Dri und Karnerhof-Hotelier Hans Melcher haben sich ein bisschen viel vorgenommen.

Beeindruckende Bergwelt

Und dann bringt uns der slowenische Chauffeur in seine Heimat. Jasmin heißt er übrigens –  eine Frau wäre Jasmine, klärt uns Hans Melcher auf. Man kennt sich hier im Ostalpen-Dreiländereck und weiß über die Nachbarn Bescheid. Leider geht es heute nicht entlang der Soca – ein tolles Flüsschen in atemberaubender Landschaft, das sich bei Wildwasser-Paddlern allmählich herumspricht. Heute ist das Wetter einfach zu schlecht. Zu schlecht, um einen Eindruck vom Triglav-Nationalpark zu bekommen – ein tolles Wandergebiet mit weiten Blicken, engen Kehren und spannenden Gipfeln. Aber wir waren ja zum Glück schon mal da…

...im Tal der Save

… und kennen die tollen Ein- und Ausblicke, die sich an der Straße nach Kranjska Gora immer wieder bieten.

...und eine lange Geschichte

Wir kennen auch die schönen Ecken am Rand des Nationalparks

Die Burg von Bled

Und wir kennen das pittoreske Bled mit seinem schönen See, in dem ein malerisches Inselchen thront – ein vielstrapaziertes Fotomotiv. Heute allerdings ist das Wetter „scho bled“, das Wortspiel sei erlaubt:
Es regnet aus Kübeln.

Die Cremeschnitte

Doch wir entschädigen uns mit einer Bleder Cremeschnitte – die Kalorienbombe hebt die Laune auch bei bledem Wetter. Es kursieren zwar eine Menge Backanleitungen im Internet, aber die Eigentümer des Originalrezepts tun trotzdem geheimniskrämerisch – und schwören darauf, dass sie die Schnitte täglich frisch und ohne Zusatzstoffe zubereiten.

Badebucht am Karnerhof

Zurück am Faaker See ist dann wieder Entspannung pur angesagt

Wir wagen auch den Sprung in den See – OK, nur weil die rettende Sauna direkt am Ufer steht…

Die Menschen in den drei Ländern hier bleiben nicht in ihrem Eck sitzen, egal ob bei der Cremeschnitte, dem süßen Wein oder der guten Kärntner Küche. Wer in Bled ist, riecht praktisch schon das Meer an der Küste Istriens in Kroatien. Im Friaul ist das Veneto und das glanzvolle Venedig quasi inbegriffen. In Kärnten und Nachbarschaft locken natürlich die Gipfel der Glockner- oder Hochschobergruppe – die sei übrigens nebenbei wärmstens empfohlen.
Die Kärntner, eigentlich noch hinter den hohen Bergen im Norden, zeigen sich besonders südaffin. Da ist Hotelier Hans Melcher, der seine eigene Balsamico-Quelle im italienischen Modena aufgetan hat. Und jetzt jeden Abend sein eigenes Salattischchen im Speisesaal betreibt, so sorgsam wie geschwind sein feines Nussöl-Sößchen rührt, liebevoll für jeden Gast persönlich anrichtet. Italien pur noch mitten in Österreich.

Und da ist Michael Ceron,
der seine Liebe zur Zitrone entdeckt hat.

Die Orange ist natürlich auch eine Zitrone - Zitrusgewächse eben.

280 Sorten kultiviert er in seinem Zitrusgarten.
„Man kennt bei uns nur wenige Zitrusfrüchte“,  seufzt er, Inhaber eines „Micky-Maus-Betriebs“, wie er selbst sagt – der doch namhafte Gastronomen in ganz Europa beliefert.
Johann Lafer und Cornelia Poletto haben schon von ihm profitiert.
Viele der Sträucher wachsen sogar besser als in den Heimatgebieten, nur der Ertrag ist gering. „Wärme macht Menge, Kühle Geschmack“, sagt Ceron – von der Grapefruit bis zur Kumquat. Oder bei „Buddhas Hand“ – mit bis zu 30 Zentimeter langen „Fingern“ wächst die kuriose Frucht. Stückpreis der edlen Zitrusgewächse hier: bis zu 60 Euro. Die Medicis in Florenz waren die ersten Sammler und Züchter. Jetzt geht es eben in Kärnten weiter.

ausruhen?

Mit Zitrusduft in der Nase noch einmal ab auf die Liegen…

…und auf zu Klagenfurt Airport

zurückseh(n)en

Rückblick auf das Dreiländereck: Ja, auf der Karte ist es unscheinbar, und doch ist es ein Universum vieler Eindrücke, die hier zusammenfließen. Am Ende bleibt ein ganz schön rundes Bild vom Doppel-A am Faaker See bis zum Z im Zitronengarten.

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Wolken auf halbmast

abfliegen? hinfliegen!

Hier liegt übrigens ein Geocache

PHOTOS AND CREATION BY BRITTA HILPERT, PHOTOGRAPHER

TEXT BY DR. JOERG HILPERT, JOURNALIST

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